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Interview mit Göran John – VON NEUAUFBRÜCHEN, GRÜNDERGEIST UND BAUMHÄUSERN

17. Feb 2026

Göran John ist Pionier durch und durch. Er fährt mit einem umgebauten Bulli durch das Land, baut mit Jugendlichen Baumhäuser und fährt mit dem Kajak allein durchs Braunbärenland. Kürzlich ist er in ein Tinyhaus direkt neben seinem aktuellen Projekt im Wald gezogen. Mit uns sprach er über Pastorale Innovation, Wagnisse und Perspektiven für Veränderungsprozesse in der Kirche.

Spiribow
Spiribow

Göran, du bist seit Jahren in der Fresh X Bewegung aktiv. Was war dein persönlicher Impuls, dich auf diesen Weg von kirchlichen Innovationen und Neugründungen zu begeben?

In der Gegend in Ostdeutschland, in der ich aufgewachsen bin, gab es keinerlei Kinder-/ Jugendarbeit. Alles, was wir uns wünschten, mussten wir selber gründen und neu beginnen: Junge Gemeinde, Volleyball, Schülerbibelkreis, kirchliche Freizeiten und moderne Jugendgottesdienste. Das Gründen lag mir irgendwie im Blut. Auch bei meiner ersten Stelle als Diakon in Langensteinbach, war ich mit einer sehr experimentierfreudig Gemeinde unterwegs und durfte vieles neu beginnen: unteranderem Baumhauscamparbeit die auf 25 Camps in Deutschland und Europa angewachsen ist. Während den ersten fünf Dienstjahren hat mich die Weiterbildung zum „Pionier in Kirche und Gesellschaft“ in Kassel angesprochen. Schon das Werbebild hat Sehnsucht geweckt und Weite. Die Fresh X Weiterbildung hat meiner Sehnsucht nach neuen Formen von Kirche und Jugendarbeit, Begriffe, Theologie und Strategien an die Hand gegeben. Das Stipendium meiner Kirche gab den Letzen Motivationsschub. Dadurch konnte ich als normaler Diakon mein Skillset und meine Theologie enorm erweitern.


Mit welchen Projekten bist du aktuell unterwegs und wie unterscheiden Sie sich von klassischen kirchlichen Angeboten?

In meiner Stelle darf ich kirchliche Innovation Projekte in Baden / Fresh, Expression of Church begleiten. Mit 40 % tue ich das auf mittlerweile sieben Campingplätzen mit 160 Ehrenamtlichen in der Campingkirche / Kirche unterwegs mit missionalen kirchlichen Angeboten für Kinder, Jugendliche und Familien mitten im Urlaub und Tourismus. Mit meiner anderen halben Stelle, begleite und vernetzte ich kirchliches Startup, gemeindebildente Initiativen in Baden. Das tun wir mit Formaten von www.gruendergeist.info mit Raodtrips, Starterkursen, HüttenPowerwochenenden und großen Vernetzungsevents: unserem Gipfeltreffen. Außerdem mit Inspirationstagen und Seminaren für Kirche Kunterbunt, mit digitalen Angeboten und vor allem auch mit Einzelcoaching. Außerdem bin ich im „Netzwerk Wilde Kirche“ und im „Netzwerk Raus - mobile Kirche und Pastoral“ sowie im „Netzwerk christlicher Jäger“ und versuche hier sehr gezielt solche Formen zu initiieren und zu multiplizieren die in diesem Bereich liegen. Auch im „Netzwerk von CoWorking und Kirche“ und im „Netzwerk CVJM und YChruch“ geschieht ähnliches. Wie fördern ganz gezielt und strategisch gemeindebildente neue Formen von Kirche


Innovation bedeutet auch immer Wagnis. Welche geistliche Haltung hilft dir persönlich dabei, dranzubleiben, auch wenn es herausfordernd wird?

Mir hilft das Verbundensein mit Menschen, die ihn ähnliche Richtungen mit ähnlicher Herzenshaltung und Gottvertrauen unterwegs sind. Mit www.gruedergeist.info bauen wir gemeinsam ökumenische und landeskirchlichenweit Kirche gemeinsam mit Freunden. Diese Beziehung inspirieren, tragen und motivieren. Außerdem trägt mich mein eigener Glaube und der Aufbruchs Mut, den Gott schenkt sowohl im persönlichen als auch im dienstlichen Kontext. Außerdem gehört Fehlerfreundlicghkeit dazu auch mal einen Weg umsonst zu gehen und ich denke auch Fleiß und Treue zu Arbeitsort, Kirche und Menschen.

Wenn du an die nächsten Jahre denkst: Wo siehst du die größten Chancen für neue kirchliche Aufbrüche – und was müsste passieren, damit diese Chancen wirklich genutzt werden?

Die größten Chancen sehe ich in den nächsten Jahren bei Stoßrichtungen: Formate die Verbundenheit schaffen und Menschen zusammenbringen, in ganz analogen Zusammenhängen als Gegengewicht zu künstlicher Intelligenz und virtuellen Räumen. Ob das im Wald, auf dem Bauernhof, im Pub oder Café oder in traditionellen Kirchengebäuden ist, ist glaube ich egal. Große Verheißungen sehe ich auch in einer inhaltlichen Fokussierung auf Kernthemen der Nachfolge, Jüngerschaft und auf lebensrelevante Verkündigung. Auch die Jugendarbeit und der Fokus auf die GenZ halte ich für sehr verheißungsvoll. Ich rechne mit einer Rückbesinnung auf Glaubensthemen und auch mit der Wirksamkeit von Glaubens- und Apologetikkursen. Die größten Chancen sehe ich auch in gelebter Einheit unter Christen, die Verschiedenheit aushalten lernt und trotzdem mit neuen, geistlichen Aufbrüche und Erweckung rechnet. Zudem glaube ich, dass die neuen Aufbrüche von Kirche im Gebet getragen werden. Wir als kirchliche Funktionäre müssen dabei drei Dinge lernen: 1. Verwurzelung in eigener Frömmigkeit und Spiritualität und Gottesbeziehung 2. Ökumenische Weite und aushalten von Unterschiedlichkeiten 3. Neue Formen von Kirche mit dem gleichzeitigen Mut zu geistlichen, inkarnatorisch-theologisch und zielgruppenorientierten Angeboten und Inhalten.


Was würdest du jungen (oder auch älteren) Gründern sagen, die heute überlegen, sich auf den Weg zu machen – gerade im kirchlichen Kontext?

Ihr braucht Verbündete, mit denen ihr freundschaftlich unterwegs seid. Ihr braucht Lagerfeuer-Orte, wo ihr auftanken und euch verwurzeln könnt. Jele Mailänder schreibt dazu wunderbares in ihrem Buch: „Wenn Gott zum Aufbruch ruft“. Und ihr braucht den Wagemut, groß zu denken und klein zu beginnen. Startet mit dem Prototyp / MVP (Minimum Viable Product), in dem schon alles drin steckt und fangt schnell an. Und ihr braucht noch freie Kraft um selbst Mittel und Spenden zu akquirieren. Und ihr braucht den inneren und äußeren Freiraum, Aufbrüche, die ihr irgendwo anders entdeckt, zu verstehen, Prinzipien zu erkennen und bei euch im Kontext zu multiplizieren. Nicht jede neue Form von Kirche muss komplett neu erfunden werden, sondern manchmal tut es auch das vervielfältigen. Und ihr müsst großzügig sein und die Dinge, die empfangen habt kostenlos an andere weitergeben. Es liegt Verheißung darin, wenn euer Projekt Ableger und „Kinder“ bekommt.


‚KURZ & KNACKIG‘

Das überraschendste Learning aus meinen Projekten war …

Es braucht mehr Durchhaltevermögen und einen längeren Atem in Begleitung & Beratung aber auch beim selber gründen als gedacht. Teil deine Kräfte ein aber lebe und arbeite dennoch fruchtlos.

Ein typischer Mythos über kirchliche Innovation ist …

Das alles ganz neu sein muss. Es liegt so viel wertvolles „verschüttetetes“ in der Kichern-, Theologie und Klostergeschichte das es sich loihnt zu entdecken du fruchtbar zu machen.

Ein Rat an Gründer:innen, der mich selbst geprägt hat, lautet …

Habe Mut von dem was dein Herz voll macht Zeugnis zu geben. Auch im Glauben. Erzähle von Scheitern, Brüchen, Erfolgen und Wundern. Bringe diese Momente dabei bewusst mit Gott in Verdingung und rechne deine Erfolge ausschließlich ihm zu. Gott gehört die letzte Ehre.

Im besten Fall wirkt ein innovatives Projekt so …

Das Menschen hier einen Form von Kirche finden, die ihre Welt schöner, heil- und hoffnungsvoller und ihr Leben gnaden- und liebesvoller macht. Und im allerbesten Fall, finden in diese Form von Kirche Menschen 2zu uns“, die sich erstmals oder neu als „gefundene“ begreifen.



Fotos: Privat, Göran John, Pastorale Innovation Fulda


Dr. Björn Hirsch

Referent für Pastorale Innovation
Abteilung Kirchliches Leben

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